Besuch von drüben

Besuch von drüben. Aquarell, entstanden möglicherweise als Weihnachtsgeschenk. Vorerst nicht datierbar.

Vor einer Tanne, die einerseits im Garten das Haus bewachte, immer aber auch an den Lebensbaum gemahnt, sitzt Elisabeth, Steffens Gattin, in blauem Kleide versunken in der Meditation auf einem schwarzen Stuhl. Der Baum ist wie ein Weihnachtsbaum mit drei Sternen geschmückt und von einem Bogen überwölbt. Vor ihr öffnet sich ein Vorhang und Felicitas, ihre Tochter aus 1. Ehe, in pfirsichblütenem Gewand tritt mit wunderschönen gesunden Füssen "auf einem blauen Wölklein" hervor. Schaut man es an, denkt man unwillkürlich an das kleine Gedicht, von dem Steffen an der Totenfeier sagt: "Wir rufen ihr ein Verslein nach, das uns auf der Fahrt zu dieser Totenfeier zugefallen, als käme es von ihr selber:
"Auf einem blauen Wölklein bin ich hergeflogen,
malte auf dunklem Grunde einen Regenbogen.
Wie leuchtet er so schön!
Man kann darauf zum Himmel geh'n
Und aufersteh'n."
Im Tympanon über Felicitas, wo nach mittelalterlicher Sitte nur Übersinnliches dargestellt wird, erscheint eine Rose. Steffen gestaltet das ganze Bild in einem Innenbereich, wenn man beide Bögen beachtet.
Und zugleich hebt er ein mittelalterlich-architektonisches Motiv in den Bereich übersinnlichen Anschauens.

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