Albert Steffen
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Pestalozzi

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Pestalozzi — Drama
Albert Steffen

1965, 146 S., Leinen, 2. Aufl.,
ISBN 978-3-85889-067

Preis: CHF 20.-- / EUR 18.00
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«Wie sich in unserem unvergleichlichen Vater Pestalozzi das erste Gebot des Christentums, das Gebot der unbedingten Menschenliebe und des Vergebens zu höchster Vollendung durchringt, das hat in einem in der Jetztzeit einzigartigen Kunstwerk der Schweizer Dichter Albert Steffen tief überzeugend dargestellt. Es ist das Schauspiel 'Pestalozzi', das am Donnerstagabend seine Uraufführung in Anwesenheit des Dichters im Basler Stadttheater erlebte. Diese Vollendung des Christentums vollzieht sich auf verschiedenerlei Arten: einmal im Rein- Persönlichen, wo Pestalozzi die Versöhnung zwischen seinem Gegner Johannes Niederer mit seinem eigenen Herzen und seinem treuesten Anhänger, auf seine Weise treuesten Anhänger Joseph Schmid vollbringt und wo es sich zugleich zeigt, daß es auch im wahren Christentum eine objektive Vergeltung, ein nicht in unserer Hand stehendes Gericht gibt. Die zweite Vollendung des Christentums vollzieht sich in der schweizerischen Sphäre, und hier stellt uns Albert Steffen hin, was wirkliches Schweizertum, was unsere tiefste nationale Aufgabe ist und sein muß. Die dritte Vollendung aber steht im Rahmen der ganzen Menschheit; die für die Zeit Pestalozzis wie für unsere Zeit umfassendsten Fragen der Verbrüderung der Menschheit werden da aufgerollt; in der geistigen Welt begegnet Pestalozzi den Gestalten Napoleons und des Zaren Alexander von Rußland, die beide diesen Weg der Verbrüderung von der falschen Seite her beschritten hatten. Diese drei nach unserer Auffassung herauszuschälenden Vollendungen des Christentums in Pestalozzi sind in dem Schauspiel Steffens selbstverständlich nicht so unvermittelt hingestellt; sie sind mit anderen Komponenten der Handlung verwoben, die mit dem geistigen Sinn des Lebens Pestalozzis in engem Zusammenhang stehen. Faktisch werden die letzten Lebenstage des großen Menschenfreundes auf der Bühne dargestellt, die ersten Wochen des Jahres 1827, die Pestalozzi in Brugg verbrachte. In dieses Ausklingen eines gewaltigen Lebens aber werden Begegnungen in der geistigen Welt hineingeflochten, anhand derer die wichtigsten Taten dieses Lebens lückenlos an uns vorüberziehen. Alles ist von Albert Steffen mit einer schier unfaßbar schönen, dabei die schweizerische Eigenart in vielen entzückenden Wendungen kennzeichnenden Sprache hingestellt worden. Das Schauspiel erfordert für das ganze Mitgehen erhebliche historische Kenntnisse des späten 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts in der Schweiz; tausend Probleme dieser Zeit werden angetönt. Es war ja immer die bezeichnende Eigenart der Dichtung Steffens, die geistigen, ja wissenschaftlichen und philosophischen Probleme unverbrüchlich mit dem Künstlertum zu verbinden. Mit der ungeheuer wirkungsvollen Inszenierung, die zudem in erstaunlich kurzer Zeit durchgerissen wurde, hat Egon Neudegg bewiesen, was ein ideenreicher Regisseur, der sich in eine komplizierte dramatische Welt einzuleben imstande ist, dabei von einer großen praktischen Erfahrung unterstützt wurde, vollbringen kann. Ein Gleiches gilt für die Darstellung des alten Pestalozzi durch Kurt Horwitz, der hier das Schönste getan hat, was er je auf die Bühne stellte. Mit ihm mußte das Werk stehen oder fallen und es ist mit großer Kraft stehen geblieben. ...»
(et. in »Neue Basler Zeitung» vom 28. 4. 1939).