Albert Steffen
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Hieram und Salomo

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Hieram und Salomo — Drama
Albert Steffen

1983, 106 S., Leinen, 4. Aufl.,
ISBN 978-3-85889-107

Preis: CHF 20.-- / EUR 18.00
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Aus einer Besprechung der Uraufführung im Goetheanum vom 25. Dezember 1933: «... In seinen großen Mysterien geht der Dichter wieder zu den kultischen Anfängen des Bühnenspiels zurück. Die dramatische Verwirklichung ist bei ihm, der das Wesen der künstlerischen Schau in einem erhabenen Sinn zu verwirklichen sucht, nicht ein Spiel für die gesellschaftliche Unterhaltung, sondern er macht die Bühne, größten Vorbildern folgend, zu seiner Kanzel.
... Steffen geht von jenem Freundschaftsbund zwischen Salomo und Hieram aus, von dem im Buche der Könige geschrieben steht. Mit Hilfe seines Freundes und dessen geschulten Werkleuten hat der König von Israel den Tempel zu Jerusalem gebaut. Diese biblische Erzählung steigert der Dichter zu einer kosmogonischen Schau, indem er den Mythos der Kainstat, die den Tod in die Welt brachte, damit verband und Makrokosmos und Mikrokosmos innerlich in schicksalhafte Beziehung setzte. ...
Hieram ist der Sprößling Kains und will ihn durch seine Schöpfertat aus dem selbstgewählten Gefängnis im Mittelpunkt der Erde erlösen. Aus dem Sinai ist die größte der Zedern, die aus dem Grabe des Moses erwachsen ist, hergebracht worden. Aber die minderwertigen Bauleute haben das Maß nicht eingehalten. Um den zu kurzen Stamm zu strecken, legen sie ihn in den Teich, der den geweihten Bezirk nach außen abschließt. Da naht Balkis, die Königin von Saba, vom Geiste des gestorbenen Vaters hergewiesen, um dem Tempelwunder ihr Opfer und sich selbst darzubringen. Sie findet die Balkenbrücke; aber der Weg ist unsicher und in der Tiefe lauert Gewürm. Ihr schwindelt, die silberne Mondenschale mit der Paradiesesfrucht entgleitet ihren Händen, strauchelnd ruft sie um Hilfe. Da gibt ihr Wort und Zeichen des Hieram Halt und Hilfe. Er weist sie auf ihre Frage nach dem König in den Palast des Salomo. Der König hört ihre Geschichte und entbrennt in Liebe zu der Besucherin, die ihn aus tiefem Traum geweckt hat. Ist es nicht Gottes Sendung, die ihm die Königin und Braut gibt? Allein eine unbestimmte Furcht trennt Balkis innerlich vom König; sie spürt, daß Hieram der wahre Schöpfer des Wunders ist und daß dieser von Lüsten verzehrte, allerlei Abgötterei anhängende König sein Licht nur von seinem Tempelbauer empfängt. Sie wendet sich entsetzt, da der Abgewiesene sie mit Gewalt seinem Harem einverleiben will und droht, sich mit seinem Schwert zu töten. Die Hand Gottes schlägt den Dreisten mit Fallsucht. Da geht er in sich und verspricht Besserung, gibt seine Sonnenkrone zum Pfande und zu beiden Seiten des Thrones betten sie sich auf dem Lager der Ahnen zur Ruhe. Ein Wahrtraum enthüllt beiden Schuld und Schicksal: in das Leben von Balkis bricht der Tod; dem glanzvollen Königreich Salomos ist nach dessen Ende der Zusammenbruch bestimmt. Balkis soll am Tage, da der Tempel geweiht, das Eherne Meer vollendet, Kain erlöst ist, dem König vermählt werden. Nun bemächtigen sich die zerstörerischen Mächte des Dunkels Salomos; sie träufeln ihm Eifersucht ein auf den Freund und lassen ihn Hierams Tod so mächtig wünschen, daß die feilen Gesellen es als einen stillschweigenden Befehl empfinden. In großartigem Aufzug wird die heilige Handlung des Gusses vollzogen. Salomo opfert die Krone, Balkis das inzwischen wiedergefundene Mondschiff. Mit dieser Gabe glaubt sie sich befreit und will sich von Salomo lossprechen. Ein furchtbarer Aufruhr stört den heiligen Dienst. Schon dringen Mörder auf Hieram ein, die ohnmächtige Balkis wird vom König weggeschleppt, da verhindert ein Engel den Tod des Meisters. Die Szene wandelt sich zur Unterwelt, wo Kain und Hieram Zwiesprache halten. Hieram will zurück, um sein Opferwerk selbst um den Preis des Lebens zu vollenden. Ein goldener Hammer verleiht ihm Macht über Leben und Tod. Allein er verzichtet darauf; er rettet zwar sein Werk, wird aber von den Gesellen erschlagen und heimlich begraben. Noch einmal treffen sich über dem Orte, wo Hierams Leichnam verscharrt ist, Salomo und Balkis. Da auf Geheiß des Königs die Mörder ohne Gericht getötet werden, merkt die Frau, aus wessen Herz die furchtbare Tat entsprang und löst sich für immer vom König. Diesen überfallen die Dämonen der Hingerichteten. Dunkel erfüllt sein Inneres, Hoffnungslosigkeit seine Gedanken, während Hierams verklärte Seele zu den Sternen emporsteigt. Aus der Fülle der Gesichte haben wir diese einfache, jedem Beschauer verständliche Symbolhandlung herausgehoben; wir wissen aber wohl, daß alle Dichtungen Steffens ihr doppeltes Gesicht haben, eines der Welt zugewandt, das andere den Eingeweihten seines Bundes. Beide Antlitze zeigen dieselbe Wahrheit, für die Welt in Form einer tröstenden Weisheit, für die Freunde als eine riesige Weltschau, die aus den ersten Anfängen einer Gottesverehrung bis zur Weissagung einer bessern Zukunft geht. Aber für uns handelt es sich ja nicht darum, daß wir jedes Bild, jedes Zeichen in seiner tieferen Bedeutung erfassen, sondern daß wir, vom Geiste des Dichters ergriffen, emporgetragen werden. In der mit Liebe durchgearbeiteten Bühnengestaltung, zu der Steffen Szenenbilder und Kostüme selber entworfen hat, ist diese Forderung in eindringlicher Weise verwirklicht worden.»
(k. in den «Basler Nachrichten» vom 28. Dezember 1933)