Albert Steffen
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Kleine Mythen

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Kleine Mythen — Erinnerungen, Skizzen, Miniaturen
Albert Steffen

1983, 228 S., Leinen, 4. Aufl.,
ISBN 978-3-85889-113

Preis: CHF 24.-- / EUR 22.00
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Steffen erzählt zur Genesis der «Kleinen Mythen»: »Oft werde ich gefragt, wie meine 'Kleinen Mythen' entstehen. Man glaubt vielleicht aus Willkür. Diese Meinung müßte ich korrigieren. Ich habe sie nicht ersonnen. Es sind keineswegs nur Kinder meiner Phantasie. Wenn sie mir auch ungesucht zufallen, so liegt ihnen doch eine strenge Gesetzmäßigkeit zugrunde. Mit einem Wort: Ich finde sie, zu meiner eigenen Verwunderung, auf dem Weg zum Geiste, wie Edelsteine, Bäume, Vögel, wie Fernsichten mit Wolken und Regenbogen, wie Wesen, welche die Reiche der Erde bevölkern, aber immer anders, als ich vorausgedacht, eh ich den Pfad der Erkenntnis beschritten. Dieser ist exakt, klar, rein von Fehlerquellen, wenn er richtig ist, - methodisch, wie die Regeln der Mathematik dies auf ihrem Gebiete sind. Ich mache z.B. über das Samenkorn eine Übung, versetze mich in dessen Wachstum, von Keim zu Blatt, zu Blüte, ich erlebe, wie es seine Substanzen aus den Elementen zieht und der Sonne entgegenwächst, wie es sich in vielfältigen Gestalten, außerhalb von meiner Seele, die es innerlich nachbildet, entwickelt. Diese, erst subjektiv bestimmt, bildet sich am Werden der Pflanze immer mehr zu einem Organ, welches objektiv das Lebendige erfaßt. Um so gewissenhafter ich dabei verfahre, um so unvermuteter ist der Fund, der mir zufällt. Plötzlich liegt er, auf der Erkenntnisfahrt, zu meinen Füßen, und er gehört mir ganz. Zunächst mag es nur ein Setzling sein. Ich trag ihn mit wenigen Sätzen in mein Notizbuch ein. Hier bleibt er unverändert, bis ich ihn beim Durchblättern wieder finde. Dabei erweist sich, daß er von selber gewachsen ist, und zwar deshalb, weil die Nahrung, die ich ihm gebe, meine eigene Seele ist, die sich seither entfaltet hat. Ich halte das mikromagische Gebilde dem Licht der Erkenntnis entgegen, das die ganze Welt erfüllt. Und endlich ist der 'Kleine Mythos' sich selbst genug. Er hat kein Vorbild und will keines sein. ... «
(Aus «Merkbuch», Dornach 1937. Vgl. dazu Ingeborg Woitsch, Bilder des Schicksals, Albert Steffens «Kleine Mythen» - Impulse für die Arbeit an der eigenen Biographie. Stuttgart 1996, Verlag Freies Geistesleben)