Albert Steffen
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Der Tröster

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Der Tröster — Gedichte
Albert Steffen

1986, 96 S., Leinen, 4. Aufl.,
ISBN 978-3-85889-120

Preis: CHF 15.-- / EUR 13.00
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»Du fragst mich, wo ich wohne? / - Erwacht aus deinem Traume / tief in der Blütenkrone / von einem Frühlingsbaume.» «Den möcht ich sehn! Wo ist sein Ort?» / «Er wächst aus einem Sternen-Wort!»

»Vor mir liegt ein eben erschienener Gedichtband, betitelt 'Der Tröster'. Er veranlaßt mich, etwas über Albert Steffen zu sagen: dieser tiefe und dem 'Künstler' am treusten gebliebene Schweizerschriftsteller. Steffen ist natürlich mehr als Schweizer, sein Geist und sein Schaffen haben nicht Halt gemacht an unsern Landesgrenzen. Er ist der durchgeistigte Schriftsteller, der den Weg weisen kann zu einer glückhaften Lebensbejahung. Er ist kein abstrakter Denker; es ist eine wahre Geistigkeit aus beseligender Schau, die aus seinen Werken uns anspricht. Er sieht das Wahre, Gute, Schöne nicht wie Plato als Ideen, sondern er erblickt in diesen drei Leben. Deshalb ist bei ihm auch die tiefere Geistigkeit so erdennah. Wenn dennoch Menschen ihn ablehnen, weil sie behaupten, ihn nicht verstehen zu können, so liegt dies in ihnen selbst, weil sie ihre geistige Kraft nicht in sich aufkommen lassen. Leichter wird der Sucher nach einer geistigen Heimat in das Wesen seiner Dichtung eindringen, obschon sich Steffen auch mit dem uns zu sehr erfassenden Berufsleben auseinandersetzt. Er wendet sein schöpferisches Geistschauen auf das soziale Leben an! Albert Steffen erlebte den größten Teil seiner Knabenzeit am Ufer der Aare: 'Badend, bootfahrend und Grappen fangend, dazwischen Heuäpfel essend, die ich mit Kameraden aus dem Flusse fischte. Die Bäume erlebte ich mit Kletterknien, das Gras und Grünland mit bloßen Sohlen. Wenn wir aus den Wellen stiegen, schienen die Veilchenfarben der Juraberge am schönsten zu sein ---', schreibt er in einer autobiographischen Skizze.
Sein Vater war Arzt. Die Kranken strömten aus der ganzen Gegend zu ihm. Der Knabe sah auch die andere Seite des Lebens. Er wurde sinnend. Später ertrug er eine selbstgewählte Einsamkeit in Bern. Dichter trösteten ihn. Zuerst das schweizerische Dreigestirn: Keller, Gotthelf, Meyer. Dann kam Rousseau seiner Sehnsucht am meisten entgegen. In der 'Rückkehr zur Natur' schien Erlösung.
Nach bestandener Maturität ging er Rousseaus Spuren nach und gelangte an den Lemansee. In Lausanne studierte er Naturwissenschaften und gab sich einem Leben hin, verschwistert den Elementen. Er stieß auch auf die beiden Geister, die damals die Jugend am mächtigsten bewegten, auf Nietzsche und Dostojewski. Er liebte beide inbrünstig und doch ging er zwischen ihnen geschützt. Jener machte zu hart, dieser zu weich.
Mit einundzwanzig Jahren kam er nach Berlin, schon sein erstes Buch 'Ott, Alois und Werelsche' in der Tasche. Dort entbehrte er freiwillig. Im obersten Stockwerk eines Mietsgebäudes mietete er ein Zimmer. Der Dichter schrieb über diese Zeit: 'Es ging auf einen schmutzigen Hof, in den die Türen der düstersten Spelunken mündeten. Nacht für Nacht klang ein Lustgejohle empor, ununterbrochen, wie von einem Tiere ausgestoßen, und raubte mir den Schlaf. Was ging da vor? Ich stieg nicht hinunter um zu fragen. Die Antwort kam von selbst herauf. - Eines Nachts, bei wachstem Bewußtsein, hatte ich ein Erlebnis, das mir sagte, daß es noch ein anderes Schauen als das der Augen gibt. Meinem Geiste trat entgegen, was in der Tiefe geschah. Ein Wesen erhob sich aus dem Abgrund, zusammengesetzt aus Lust, Vernichtungstrieb und Ohnmacht. Es richtete sich drohend vor mir auf. Ich schrak entsetzt zurück. Es schwand. - Die Erinnerung blieb, dunkel genug, um mir die Lebenslust zu rauben. Ich hatte erkannt, wie der Tod im Menschen wirkt, und glaubte, unter der Wucht dieser Einsicht zugrunde zu gehen. Da traten mir zwei Menschen gegenüber, durch deren Leben mein Zustand widerlegt wurde. Der eine lehrte mich wieder an die Güte, der andere an die Schönheit im Menschen glauben. Beider will ich still für mich gedenken.'
Im Jahre 1908 in München tritt ihm die Natur verwandelt entgegen. Aus einem Baume, den er betrachtete, durchdrang ihn eine unverwesliche Kraft. Steffen lebte nicht nur im Sterblichen, er konnte auch im Ewigen leben. Hier ist dann Steffen, aus der Erkenntnis heraus, in sein Ewigkeitserlebnis eingetreten, das von nun an seine ganze Dichtung bestimmt. Der Gedichtband , der vor mir liegt: 'Der Tröster' birgt nun in sich dieses Ewigkeitserlebnis. In malerischen Farben, und in vollendeter Form tritt Lebendigkeit uns entgegen, uns beschwingend. Es wäre schade, sich durch ein Vorurteil der Anthroposophie gegenüber von dem Genuß dieser in der Form verfeinerten Gedichte abhalten zu lassen.»
(Hans Bergen in «Der Landschäftler», Liestal, 17. Januar 1936).

Die Neuauflage enthält im Anhang neben Tagebuchaufzeichnungen des Dichters zu den einzelnen Gedichten auch biographische Hinweise zur Entstehungszeit und ihrem geschichtlichen Hintergrund.