Albert Steffen
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Der Sturz des Antichrist

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Der Sturz des Antichrist — Drama
Albert Steffen

1993, 56 S., Gebunden, 4. Aufl.,
ISBN 978-3-85889-122

Preis: CHF 12.-- / EUR 11.00
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Aus der Besprechung einer Aufführung des Dramas am Goetheanum am Pfingstsonntag 1952 von Agathe Horst: «... Eine dramatische Skizze nennt der Dichter diese drei Akte, die doch in mächtigen markanten Zügen ein volles Drama erstehen lassen. Steffen schrieb das Werk im Jahre 1928 - vorausgestaltend, was wenige Jahre später schon begann Wirklichkeit zu werden. Schon ist hier vorausgesehen der Einheitsstaat, ist Wirklichkeit geworden die kollektive Menschenmasse, die, enticht dem Tyrannen zujubelt und folgt; in Erscheinung tritt der Übermensch, der Gott als tot erklärt und sich an seine Stelle setzt - Tier, Tyrann und Tod in einem - der Antichrist. Seine Ziele: Überwindung des Raumes im Stratosphärenflug und synthetische Herstellung menschlicher Nahrung sind verwirklicht - aber zugleich ad absurdum geführt und überwunden durch den wirkenden, rettenden und heilenden göttlichen Geist. Am Pfingstsonntag dieses Jahres wurde das Drama seit 1935 zum ersten Mal wieder am Goetheanum aufgeführt. Nach allem, was in der Zwischenzeit von der Menschheit durchlebt und durchlitten worden ist - in unserer heutigen Zeitlage, da in großen Teilen der Welt das in dem Drama Gestaltete als grauenvolle Wirklichkeit besteht, konnte wohl kaum jemand die Aufführung ohne tiefe Erschütterung erleben. ... Der erste Akt führt bereits mitten in die Konfliktsphäre hinein, indem der Künstler, der Techniker, der Priester, die Repräsentanten von Kunst, Wissenschaft und Religion, dem Regenten polar gegenüberstehen und zugleich offenbaren, wie Entfremdung bis zum Zwist unter ihnen selbst Platz gegriffen haben. Der Priester mißversteht das Wort «Widerstehe nicht dem Übel» (Matth. 5,39); der Techniker, der nicht mehr aus dem vollen Menschentum schaffen kann, sondern im Intellekt verhärtet ist, verfällt dem Machtrausch; so kann der Regent beide für sich und seine Ziele gewinnen. Nur der Künstler, der im Worte lebt, widersteht. Sein Mut und seine Erkenntniskraft öffnen ihm die Augen, so daß ihm die Geistwesen, die in dem Regenten und seinen Freunden wirken, sichtbar werden: der Dämon des Regenten, das Gespenst des Technikers und der unvollkommene Engel des Priesters. Geweitet ist der Kerker, und drei Welten werden in diesem Augenblick sichtbar: die untersinnliche der Dämonen und Gespenster; die übersinnliche der göttlichen Hierarchien; dazwischen die physische, in welcher die Menschenmasse, wie von außen gelenkt, willenlos kreist. Der zweite Akt ist eine Verinnerlichung der Handlung, gleichsam eine Zusammenziehung auf das Innere des Künstlers, der in einer Steinzelle gefangen gesetzt, von dem Wächtergreis die Unterweisung empfängt, wie er sich aufrecht erhalten kann in diesem Geisteskampf. Es ist gleichsam eine Involvierung des dramatischen Geschehens, das sich dadurch am Ende des Aktes zu einer mächtig ausgebreiteten übersinnlich-kultischen Handlung entfalten kann. Vor dem Blick des Künstlers sind die Toten sichtbar geworden, deren Schattengestalten bei seinen Worten farbig aufleuchten. Innerlich geläutert und erstarkt, vermag er übersinnliches zu schauen und erblickt im Hintergrunde einen Felsentempel, aus welchem unter den Klängen der Musik (Wilhelm Lewerenz) hierarchische Gestalten hervorschreiten, die mit Harfen, Posaunen Instrumenten und Werkzeugen ihr Schaffen offenbaren. Der letzte Akt bringt Katastrophe und Katharsis. Der Techniker, vom Stratosphärenflug zurückgekehrt, berichtet, wie er, statt die Proklamation des Regenten abzuwerfen, im ätherischen Umkreis der Erde den auferstandenen Christus schaute, wie er heute jedem Menschen wahrnehmbar werden kann. Der Techniker wird von dem Regenten gefällt. Der Priester, der auf Geheiß des Regenten das aus Steinen bereitete Brot versucht, wird selbst zum Tier. Es folgt der Absturz des Regenten, der selbst mit dem Flugzeug aufgestiegen ist - der Sturz des Antichrist, und damit die Befreiung der wieder erwachenden und nun sich vereinenden Brüder. Daß das Ungeheure der Situation in dem zusammengedrängten, auf das Höchste gesteigerten Geschehen dieses letzten Aktes zu solcher Wirkung kommt, ist dem vollen Einsatz aller Mitwirkenden zu danken, das unterstützt wird von dem einzigartigen Bühnenbild nach den Entwürfen von Steffen. ...»
(«Basler Nachrichten», 2. Oktober 1952, Abendblatt)